Persönlicher Jahresrückblick 2025


Text als Hörfassung: ▶️ Persönlicher_Jahresrückblick_2025.mp3

Es ist wieder Zeit für einen kleinen persönlichen Jahresrückblick. In meiner nun bereits vierten Jahresrückschau möchte ich euch wieder einige Einblicke geben, welche aktivistischen und politischen High- und Lowlights es bei mir gab und ein wenig aus dem privaten Nähkästchen plaudern.

Menstruation raus aus der Tabuzone

Fem_Kampftag_2025

Auch dieses Jahre haben wir wieder mit den Pirat*innen Dresden eine Aktion zum Feministischen Kampftag am 8. März durchgeführt. Dieses Mal haben wir kleine Pakete mit Menstruationsartikeln und Zetteln mit verschiedenen Fakten zum Thema auf der Prager Straße, eine von Dresdens beliebtesten Einkaufsmeilen mitten in der Altstadt, verteilt. Dieses Jahr hat unsere kreative Infoveranstaltung deutlich weniger Gegenwind abbekommen, als in der Vergangenheit, und wurde zu großen Teilen positiv von den Passant*innen aufgenommen.

Stadtrat der Tiere ging in die nächste Runde

Weil es letztes Jahr so gut lief, habe ich auch 2025 zwei Runden des Abenteuers "Stadtrat der Tiere" im Rahmen der Gratis Rollenspieltage angeboten. In der Pen & Paper Geschichte, die auch starke Züge einer Simulation hat, wird nachvollzogen, wie die Stadtratswahlen in Dresden funktionieren – aber mit niedlichen Tieren! Da das Angebot auch dieses Jahr wieder gut angenommen wurde, überlegen Manuel, der die Grafiken zum Abenteuer beigetragen hat, und ich, ob wir auch andere politische Prozesse in der "Stadt der Tiere" erlebbar machen wollen. Möglich wären hier zum Beispiel ein Bürger*innenbegehren oder eine Stadtratssitzung. Wir werden sehen, was uns 2026 noch dazu einfallen wird.

Übrigens wurde der Stadtrat der Tiere sogar schon außerhalb unseres Piratenbüros gewählt. Dieses Jahr habe ich das Abenteuer auch beim Trachenfest am 17. Mai angeboten. Wenn ihr jetzt selbst Lust habt, Stadtratswahlen in der Stadt der Tiere durchzuführen, findet ihr das Abenteuer, eine Karte, sowie fertige Charakterbögen hier in diesem Dokument.

Fediverse-Workshops und -Vorträge

Dass ich Workshops und Vorträge zum Fediverse halte, ist ja mittlerweile quasi schon zur Routine geworden. Aber dieses Jahr hatte ich doch an sehr unterschiedlichen Orten die Möglichkeit dazu, den Menschen eine freie dezentrale Social-Media-Welt näher zu bringen. So gab es z.B. im März einen zweiten Workshop im Strehlener Stadtteiltref KuRSiF, im Mai haben das Datenkollektiv, Bits und Bäume Dresden und ich vom Mastodon-Server dresden.network einen Workshop im Rahmen des Nachhaltigkeitsfestivals Dear Future angeboten und Ende des Jahres habe ich das erste Mal offiziell als Dozentin an der Dresdner Volkshochschule zum Fediverse gesprochen. Einige der Veranstaltungen waren sehr gut besucht, andere weniger gut und meine letzte Vorlesung an der Volkshochschule musste leider komplett abgesagt werden, weil von den angemeldeten Personen alle abgesagt haben oder unentschuldigt nicht erschienen sind.

Trotzdem möchte ich auch im nächsten Jahr wieder möglichst vielfältige Informationsveranstaltungen zum Fediverse anbieten. So ist schon eine Überarbeitung des Workshops für eine neue Runde im KuRSiF geplant und auch die Volkshochschule und ich wollen es im Mai 2026 noch einmal miteinander versuchen.

Chemnitzer Linux Tage

Bei den Chemnitzt Linuxtagen gab es im März wieder ein spannendes und umfangreiches Programm, zu dem ich mit einem Talk zum Fediverse beigetragen habe. In meinem Vortrag "Castopod – Podcasting im Fediverse" habe ich die die Plattform Castopod vorgestellt und bin auf die Arbeit an meinem Server podcsats.homes eingegangen.

Besuch im Gymnasium Bühlau

Im April ging es für mich zurück in die Schule, genauer gesagt an das Gymnasium Bühlau. Dort habe ich auf Initiative einiger sehr engagierter Schülis (an dieser Stelle sei vor allem noch einmal lorax lobend hervorgehoben, der mich eingeladen hat) 90 min lange über Kommunalpolitik gesprochen bzw. konnten sie mir Fragen stellen. Der Austausch hat wirklich Spaß gemacht und das Coolste daran war, dass die Veranstaltung komplett von den Schülis selbst organisiert wurde. Dadurch konnten wir ohne Aufsicht einer Lehrkraft frei diskutieren und da das Angebot freiwillig und keine Pflichtveranstaltung war, wirklich spannende Themen besprechen. Ein tolles Konzept, ich empfehle es zu kopieren!

Im Nachgang zum Besuch habe ich eine kleine Sonderfolge von meinem Vlog zur Stadtbezirksbeiratsarbeit aufgenommen.

PfingstCon und meine private Pen & Paper Runde

Brindlewood_Bay

Wir müssen alle auch schöne Dinge zwischendurch machen! Für mich besonders schön war, dass ich endlich wieder eine Rollenspiel-Convention besucht habe. Ich war auf einer der beiden größeren Cons in Dresden, der PfingstCon, die am 30. und 31. Mai stattfand. Das Team, dass sich erst frisch in dieser Konstellation gefunden hatte, hat uns allein eine liebevolle, gemütliche und gut durchgeplante Veranstaltung geboten und ich habe mir fest vorgenommen, auch 2026 wieder bei der Convention dabei zu sein. In diesem Jahr habe ich mich sogar getraut, nicht nur als Besucherin dabei zu sein, sondern auch mein erstes Abenteuer auf einer Con anzubieten, das Brindlewood Bay Abenteuer aus dem diesjährigen Rollenspiel-Allmanach "Die Würfel sind gefallen".

Außerdem hat sich meine private Pen & Paper Runde nun so gut eingespielt, dass wir uns auf ein gemeinsames System (der eine Ring, 2. Edition) einigen konnten, in dem wir mittlerweile kürzere Kampagnen spielen, die ich aktuell leite.

FediCamp

Auch 2025 war ich wieder beim FediCamp und was soll ich sagen, ein Besuch auf dem FediCamp ist für mich wie nach Hause zu kommen. Es ist für mich neben den Datenspuren wohl die wichtigste Veranstaltung im Jahr und ich liebe es einfach.

Ich habe schon so oft vom FediCamp berichtet, dass ich es an dieser Stelle kurz halte und euch für ausführliche Einblicke lieber auf meinen Videobericht von 2022 oder meinen Kolumnenbeitrag von 2024 verweise.

Gründung Datenpunks Dresden

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Wir haben die Datenpunks Dresden, kurz DPD, gegründet! Schon lange wünsche ich mir eine wirklich politische Techi-Gruppe in Dresden und nachdem sich die Bielefelder Datenpunks und das Datenfreu.de-Netzwerk gegründet hatten, wuchs in mir die Idee, dass eine irgendwie lose mit diesem Netzwerk verbandelte Dresdner Gruppe doch schick wäre und ich habe verschiedene tolle Menschen gefragt, ob sie Bock auf so etwas hätten. Der Gründungsmythos besagt daraufhin, dass sich erstaunlich viele dieser Menschen zu einem Plenum 0 zusammen gefunden haben, wir dann diskutiert und festgehalten haben, was wir vor haben und wo wir hin wollen und schwups, waren im Sommer 2025 die Datenpunks Dresden geboren.

Neben offenen Plena veranstalten wir aktuell mehr oder weniger regelmäßig einen Matrix-Stammtisch, haben eine Musik-Demo gegen Nazis mit einem Redebeitrag unterstützt und vernetzen uns fleißig mit den anderen Datenfreude-Gruppen. Und wir haben noch viel vor und ich bin gespannt, was wir noch alles anstellen werden.

Ende meiner GNU/Linux-Kolumne

Kolumne_Ende_2

Siebzehn Beiträge war meine Kolumne über das Fediverse bei Gnu/Linux.ch lang, bis mir die destruktiven Rückmeldungen der Community zu viel wurden. Vor allem privat, aber auch öffentlich, haben mich einige Beleidigungen dafür erreicht, dass ich eine Technik-Kolumne geschrieben habe. Es ist und bleibt einfach absurd. Der Aufwand und dieser vollkommen unangemessene Gegenwind haben für mich die Freude und den Impact, den die Kolumne hatte, überschattet. Unter dem Motto: "Wähle deine Kämpfe weise" habe ich deshalb im September meinen letzten Beitrag veröffentlicht, in dem ich meine Beweggründe ausführlich dargelegt hatte.

Nichtsdestotrotz bin ich immer noch Teil der Redaktion von GNU/Linux.ch, habe dort auch immer viel Zuspruch und Verständnis erfahren und werde weiterhin für die Plattform, wenn auch nicht mehr so häufig, Artikel schreiben.

Konzerte

Ich habe es bereits in diesem Bericht thematisiert, schöne Dinge machen ist wichtig und gibt uns Kraft, weiter zu machen. Und da Musik definitiv eines der schönsten Dinge ist, die es gibt, habe ich mich sehr gefreut, dass ich endlich wieder mehr Konzerten besucht habe. So war ich z.B. im April bei Konnys "Briefen in A-Moll", im September bei Dritte Wahl und zwischendurch beim Löbtauer Kiezfest, auf dem ich mich unerwartet in die Bubble-Grunge Band Lohrge verliebt habe.

Datenspuren

Datenspuren_Live

Vom 19. bis 21. September fanden wieder die Datenspuren, unser alljährlicher kleiner Kongress vom c3d2, statt. Auch dieses Jahr war ich wieder Teil des Orga-Teams und hatte den Hut für das Herolding, also die Speaker*innen-Betreuung und die Moderation, auf. Neben der Orga-Arbeit habe ich auch wieder ein wenig zum Programm beigetragen. Zusammen mit Akronymisierbar haben wir von Reboot Politics das Programm mit einem Podcast-Crossover eröffnet und am Samstag-Abend habe ich mit den "Lowlights aus dem Überwachungssommer 2025" einen Überblick über aktuelle Entwicklungen beim Thema Überwachung gegeben.

Die diesjährigen Datenspuren waren für mich die wohl schönsten, auf denen ich bisher war. Das Programm war rund und wirklich hochkarätig, wir hatten im Hof tolle Stände, ich hatte meine Prämiere als VOC-Engel (Video-Team) und ich war spontan in einer Pentaradio-Live-Folge von den Datenspuren dabei.

Vorschau_%C3%9Cberwachungssommer

Plötzlich gab es Reboot Politics Merch

Reboot_Politics_Sticker

Zu den Datenspuren haben wir sie veröffentlicht, unsere schicken neuen Insider-Sticker von Reboot Politics. Für diese haben wir mit dem wunderbaren Comic-Künstler rainkinig, im Internet auch bekannt als b-rain, zusammen gearbeitet.

Kurz darauf kam Markus vom Textilkombinat auf uns zu, der gerade einen kleinen feinen Online-Shop mit coolen Merch für die Freie Software Bubble aufbaut und hat uns gefragt, ob er Reboot Politics mit ins Sortiment aufnehmen darf. Wir verdienen zwar nichts daran, aber wir haben jetzt neben coolen Stickern auch richtig fetten und hochwertigen Reboot Politcs Merch. Ich kann es immer noch nicht richtig fassen. Das ist einfach so cool!

Polizeirecht in Sachsen soll verschärft werden

Ihr habt es vermutlich mitbekommen, nachdem Teile des Polizeirechtes in Sachsen für verfassungswidrig erklärt wurden, sollen jetzt Änderungen am Sächsischen Polizeivollzugsdienstgesetz vorgenommen werden. Das Problem: Es soll alles schlimmer werden.

Die einzelnen Punkte habe ich hier für die Piraten Sachsen zusammen gefasst und auch dieser Artikel bei netzpolitik.org gibt einen guten Überblick, was kommen soll.

Der Kampf gegen die geplanten neuen Repressions- und Überwachungsmaßnahmen hat in diesem Jahr wieder begonnen und wird auch im kommenden Jahr eine große Rolle für mich spielen.

Änderungen bei meinen Vorstandsämtern bei Piratens

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Wie ich bereits in meinem letzten Jahresrückblick angekündigt hatte, habe ich mich in diesem Jahr etwas aus meinen Vorstandsämtern bei der Piratenpartei zurückgezogen. Wir haben genügend tolle Menschen in den letzten Monaten und Jahren dazu gewonnen, die sich wunderbar um die Vorstandarbeit kümmern können. Da muss ich nicht überall mitmischen.

Deshalb habe ich mich bei der Wahl für den Dresdner Vorstand nicht mehr aufstellen lassen und bin jetzt "nur noch" Co-Vorsitzende der Piraten Sachsen.

Piratencast Folge 100

Auch wenn ich selbst nur ein wenig zugearbeitet habe und die Hauptplanung andere übernommen haben, war unsere große Piratencast-Jubiläumsfolge mir Live-Stream auf PeerTube (!) ein riesengroßes Highlight für mich. Der Piratencast ist seit Jahren eines meiner absoluten Herzensprojekte und mit den anderen zusammen zu unserem großen 100-Folgen-Jubiläum ein wenig in Nostalgie zu schwelgen, war einfach nur schön.

Stadtbezirksbeiratsarbeit

Auch wenn ich durch die Stadtbezirksbeiratsarbeit viele schöne Erlebnisse hatte, wie der schon genannte Besuch im Gymnasium Bühlau oder die freundschaftliche Zusammenarbeit mit dem Haus Ueberall, so ist die meiste Zeit im Stadtbezirksbeirat doch auch sehr frustrierend. Immer wieder gibt sich die rechtsextreme Seite des Rates in den Sitzungen keine Mühe, ihren Rassismus zu verbergen und vor allem die finanzielle Lage bereitet mir für die Zukunft große Sorgen.

Darüber, wie es im Stadtbezirksbeirat weiter geht, werde ich euch weiterhin in den Text-Berichten zum Hören und Lesen und in meinem Vlog berichtet.

"Alt und weise werden"

Die Überschrift für diesen Abschnitt ist natürlich absolut übertrieben, aber ich merke langsam, dass ich keine 20 mehr bin. Das klingt jetzt vielleicht ein wenig pathetisch, vor allem mit meinen gerade mal 33 Jahren, aber auch wenn ich immer noch auf diversen Demos rumspringe und in bunten Latzhosen rumhüpfe, merke ich doch immer mehr, dass ich langsam alt werde. Und dass die "nachfolgenden Generationen" nicht nur schon längst da sind und mitmischen, sondern auch einiges besser und schlauer machen, als ich damals. Ich bin froh, dass ich so viele tolle junge Menschen um mich herum habe, die wenn wir ganz streng rechnen, theoretisch meine Kinder sein könnten. Menschen um die 20, mit denen mich tiefe Freundschaften verbinden, die mit mir nachsichtig sind, von denen ich lernen kann und die mich um Rat fragen. Ich habe schon immer Freund*innen, die wesentlich älter oder jünger sind, als ich, aber erst in den letzten Monaten habe ich so wirklich feststellen können, dass jetzt zu der "jungen Generation" eben nicht nur ein paar Jahre unterschied sind, sondern ein richtiger "Generationenbruch". Und ich sehe sie Fehler machen, die auch ich früher gemacht habe, versuche sie zu unterstützen ohne sie zu belehren und irgendwie ist es einfach schön zu sehen, dass wir alle miteinander zurecht kommen und ich bin froh, dass der Kampf für eine bessere Welt eben auch "generationenübergreifend" möglich ist und junge Menschen "nachwachsen".

Ausblick

Aber Schluss mit der Pathetik, wie geht es weiter? Das ist eine Frage, die bei der immer weiter erstarkenden Rechten im In- und Ausland, Maßnahmen hin zur kompletten Überwachung und der vollständigen Ignoranz der "großen Politik" der Klimakrise schier unbeantwortbar scheint.

Trotzdem auch in diesem Jahr kann ich euch und auch mir selbst nur versuchen, wieder etwas Hoffnung zu machen. Denn aufgeben ist keine Option! Vielleicht hat euch dieser Jahresrückblick motiviert, selbst ein wenig Résumé über das vergangene Jahr zu ziehen, einen Abgleich zur eigenen politischen oder aktivistischen Arbeit gegeben oder euch vielleicht sogar inspiriert, euch im nächsten Jahr ein wenig mehr zu engagieren. Diese Welt ist so kaputt, sie braucht uns alle, um sie zu reparieren. Aber ich glaube trotzdem daran, dass uns das gemeinsam gelingen kann. Deshalb bildet Banden und bleibt unbequem!

Meine Nische dafür, habe ich bei den Pirat*innen in Sachsen und Dresden und vor allem der Kommunalpolitischen Arbeit im Stadtbezirksbeirat, unserem Podcast Reboot Politics, bei den Datenpunks, den Datenspuren und in der Arbeit für das Fediverse, gefunden. Herausfordernd wird es in den nächsten Monaten vor allem, möglichst viele Kräfte gegen die Polizeirechtsnovelle in Sachsen zu bündeln. Ich hoffe, dass ich auch da einiges beitragen kann.

Abschließen möchte ich mit einem Zitat aus einem Buch, das ein lieber Freund dieses Jahr geschrieben hat. Auf dass wir alle mit Hoffnung in das Jahr 2026 starten:

Ein weiser Mensch hat mal gesagt: Wir brauchen Geduld. Denn die positiven Erzählungen werden sich durchsetzen. Denn diese bleiben im Gedächtnis, erhalten sich selbst, tragen sich von selbst weiter. Während Lügen immer wieder erzählt werden müssen, damit Menschen daran glauben. Wenn Lügen niemand mehr erzählt, bleiben die Utopien. Lasst uns die Utopien weiter tragen.

Jan Kosyk, das Handbuch